Tödlicher Gasunfall in Runkel: Drei Menschen sterben auf Betriebsgelände

Runkel – Ein tragischer Unfall mit einem hochgiftigen Gas hat am Mittwochnachmittag die Gemeinde Runkel im Landkreis Limburg-Weilburg erschüttert. Auf dem Gelände einer Pelzfabrik und Ledergerberei kamen mindestens drei Menschen ums Leben, zwei weitere wurden schwerstverletzt. Das Portal Mittelhessen berichtete zuerst.
Gegen 16.40 Uhr gingen die ersten Notrufe bei den Einsatzkräften ein. Feuerwehr und Rettungsdienst rückten umgehend aus. Vor Ort bot sich den Einsatzkräften ein dramatisches Bild: Mehrere Personen lagen bewusstlos in einer Senke beziehungsweise Grube auf dem Betriebsgelände.
Die Rettungskräfte reagierten sofort, bargen die Betroffenen und begannen umgehend mit Reanimationsmaßnahmen. Zunächst konnten alle fünf Personen wiederbelebt werden. Doch für drei von ihnen kam jede Hilfe zu spät – sie verstarben noch an der Unfallstelle. Zwei weitere Opfer konnten stabilisiert und mit Rettungshubschraubern in umliegende Kliniken gebracht werden.
Im Einsatz waren neben der Feuerwehr Runkel auch Kräfte aus den Ortsteilen sowie Spezialkräfte, darunter der Gefahrstoffzug und eine Dekontaminationseinheit des Landkreises. Hintergrund war die zunächst unklare Gefahrenlage. „Solange wir den Stoff nicht eindeutig identifiziert haben, können weder Ausrüstung noch Fahrzeuge ohne Weiteres wieder eingesetzt werden“, hieß es aus Einsatzkreisen, wie Mittelhessen berichtet.
Am Abend bestätigten Messungen, dass es sich bei dem ausgetretenen Stoff um Schwefelwasserstoff handelt – ein farbloses, hochgiftiges Gas, das bereits in geringen Konzentrationen lebensgefährlich ist. Es entsteht häufig bei industriellen Prozessen und ist für seinen Geruch nach faulen Eiern bekannt. In hoher Konzentration lähmt es den Geruchssinn und blockiert die Zellatmung, was innerhalb kürzester Zeit zum Tod führen kann.
Die Behörden sperrten das Gebiet rund um das Firmengelände weiträumig ab. Alle Personen, die mit den Opfern in Kontakt gekommen waren, wurden vorsorglich medizinisch untersucht.
Ob es sich bei dem Unglück um einen Arbeitsunfall handelt, war zunächst unklar. Die Ermittlungen zur genauen Ursache laufen auf Hochtouren.
Am Abend kündigte sich auch Hessens Innenminister Roman Poseck an, um sich persönlich ein Bild von der Lage zu machen und mit den Einsatzkräften zu sprechen.
Die Gemeinde steht unter Schock – ein Unglück, das viele Fragen aufwirft und dessen Folgen noch lange nachwirken dürften.