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Vom normalen Berufsleben in die Landespolitik

26. Juni 2026 // geschrieben von Manfred

Was passiert, wenn ein Kraftfahrzeugtechnikermeister, eine Ärztin, zwei Medizintechniker, ein Abwassermeister und ein Rechtsanwalt plötzlich Landtagsabgeordnete werden?

Wer sich das Leben eines Landtagsabgeordneten vorstellt, denkt vermutlich an große Büros, politische Macht und repräsentative Arbeitsbedingungen. Der Besuch bei der neuen AfD-Landtagsfraktion im Mainzer Abgeordnetenhaus vermittelte jedoch zunächst ein anderes Bild.

Denn wer erstmals hinter die Kulissen des Politikbetriebs blickt, stößt auf eine überraschend bodenständige Realität. Viele Abgeordnetenbüros erinnern eher an kleine Apartments als an politische Kommandozentralen. Schreibtisch, Bett, einige persönliche Gegenstände. Wer aus dem Westerwald, der Südpfalz, dem Rhein-Lahn-Kreis oder aus Kaiserslautern kommt, verbringt hier mehrere Tage pro Woche fern von Familie und Heimat.

Es ist eine Beobachtung, die sinnbildlich für dieses Gespräch steht. Denn die sechs Abgeordneten, die sich dem Fingerklopfer im Fraktionssaal der AfD-Fraktion stellten, wirken nicht wie klassische Berufspolitiker. Sie wirken vielmehr wie Menschen, die gerade dabei sind, ihren Platz in einem politischen System zu finden, das sie bislang überwiegend von außen kannten.

Von der Werkstatt, der Arztpraxis und der Kanzlei nach Mainz

Am Tisch sitzen Robin Classen, Rechtsanwalt und fünffacher Familienvater. Bailey Wollenweber, Kraftfahrzeugtechnikermeister aus dem Westerwald. Die Ärztin Catalina Monzon. Jürgen Klein, Abwassermeister und politischer Veteran der ersten AfD-Stunden. Außerdem die beiden Medizintechniker Albert Breininger und Tom Kotzian.

Ihre Lebensläufe könnten unterschiedlicher kaum sein.

Gerade deshalb fällt etwas auf, das in der heutigen Politik häufig beklagt wird: Keiner von ihnen stammt aus dem klassischen Politikbetrieb. Niemand hat sein gesamtes Berufsleben in Parteiapparaten, Ministerien oder politischen Organisationen verbracht.

Stattdessen bringen sie Erfahrungen aus Berufen mit, in denen Probleme meist nicht diskutiert, sondern gelöst werden müssen.

Die Ärztin behandelt Patienten.
Der Handwerksmeister repariert Fahrzeuge.
Der Rechtsanwalt vertritt Mandanten.
Die Medizintechniker arbeiten an Lösungen für den Gesundheitsbereich.
Der Abwassermeister beschäftigt sich mit Infrastruktur und kommunaler Praxis.

Ob diese Erfahrungen automatisch zu besserer Politik führen, bleibt offen. Dass sie den Blick auf politische Probleme prägen, wurde im Verlauf des Gesprächs jedoch immer wieder deutlich.

Der Wahltag als Achterbahnfahrt

Besonders eindrücklich schildert Bailey Wollenweber die Stunden nach Schließung der Wahllokale.

Zwischenzeitlich schien sein Einzug in den Landtag sicher. Dann wieder nicht. Dann doch wieder.

„War natürlich ein Gefühlschaos an dem Abend. Also erst drin, dann raus und dann wieder am Ende letztlich drin. Aber natürlich ein schönes Gefühl, vor allem, weil man etwas erreichen kann – gerade für die Wähler in unserer Region“, sagt Bailey Wollenweber im Gespräch. Was noch alles am Wahlabend passierte, hatten wir in einer Live Berichterstattung dokumentiert.

Der junge Kraftfahrzeugtechnikermeister aus dem Westerwald gehört zu den jüngsten Mitgliedern der Fraktion und verkörpert vielleicht am stärksten den Aufbruch, den viele AfD-Wähler mit dem Wahlergebnis verbinden.

Noch vor wenigen Monaten arbeitete er in seinem erlernten Beruf. Heute diskutiert er über Ausschüsse, Gesetzgebung und parlamentarische Verfahren. Dennoch wirkt er nicht wie jemand, der sich von den neuen Aufgaben beeindrucken lässt. Vielmehr entsteht der Eindruck eines Menschen, der die Herausforderung bewusst angenommen hat und gestalten möchte.

Auffällig ist dabei seine Mischung aus Bodenständigkeit und Ehrgeiz. Wollenweber spricht nicht wie ein langjähriger Parteifunktionär, sondern wie jemand, der noch eng an seiner beruflichen und gesellschaftlichen Lebenswirklichkeit geblieben ist. Gleichzeitig wird deutlich, dass er politische Verantwortung nicht als vorübergehendes Abenteuer betrachtet, sondern als echte Gestaltungsaufgabe.

„Mit so einer starken Fraktion haben wir auch die Möglichkeit, der Landesregierung ordentlich hinter die Kulissen zu schauen und zu sehen, was sie wirklich machen“, betont Wollenweber seine Ambition.

Während erfahrenere Politiker häufig in Kategorien von Verfahren, Mehrheiten und institutionellen Grenzen denken, richtet sich sein Blick immer wieder auf die Frage, wie konkrete Probleme gelöst werden können. Der Übergang von der Werkstatt in den Landtag erscheint dabei fast wie ein Kulturwechsel. Wo im Handwerk Ergebnisse sichtbar sein müssen, begegnet er nun einem politischen System, das häufig von langen Prozessen und komplizierten Entscheidungswegen geprägt ist.

Gerade darin liegt ein interessanter Kontrast innerhalb der Runde. Während Jürgen Klein die Gelassenheit und Erfahrung vieler politischer Jahre ausstrahlt, bringt Wollenweber den Optimismus eines politischen Neuanfangs mit. Er wirkt wie jemand, der noch davon überzeugt ist, dass Politik Dinge verändern kann – und der angetreten ist, genau das unter Beweis zu stellen.

Wenn Politik plötzlich zum Hauptberuf wird

Besonders deutlich wird der Übergang vom Berufsleben in die Politik bei Robin Classen.

Der Rechtsanwalt gehört zu denjenigen in der Runde, die bereits vor ihrem Einzug in den Landtag über viele Jahre politische Verantwortung übernommen haben. Als Pressesprecher und Mitglied des Landesvorstandes der AfD Rheinland-Pfalz kennt er die Partei und ihre internen Abläufe seit Langem. Dennoch beschreibt auch er die ersten Wochen als Landtagsabgeordneter als tiefgreifenden Einschnitt.

In seiner Kanzlei habe er einen weitreichenden Mandatsannahmestopp verhängt. Bestehende Mandate würden selbstverständlich abgearbeitet, neue Fälle jedoch nur noch sehr zurückhaltend angenommen. Niemand wolle seine Mandanten einfach im Stich lassen. Gleichzeitig beginne nun die eigentliche Arbeit als Abgeordneter.

Dabei wird schnell deutlich, dass Classen Politik weniger als Bühne denn als Verantwortung versteht. Mehrfach lenkt er den Blick weg von parteipolitischen Schlagzeilen hin zu grundsätzlichen Fragen demokratischer Repräsentation und parlamentarischer Arbeit.

Besonders wichtig ist ihm dabei die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und politischem Engagement. Als fünffacher Familienvater weiß er aus eigener Erfahrung, wie schwierig dieser Spagat sein kann. Gerade deshalb warnt er davor, dass politische Mandate zunehmend nur noch für Menschen erreichbar sein könnten, die sich vollständig aus ihrem bisherigen Lebensumfeld lösen können.

„Die Stimmen der Familien müssen auch in den Parlamenten gehört werden“, betont er. Dahinter steht die Überzeugung, dass Politik die Lebenswirklichkeit der Bürger nur dann glaubwürdig abbilden kann, wenn auch Menschen mit familiären Verpflichtungen bereit und in der Lage sind, politische Verantwortung zu übernehmen.

Die Ärztin, die Ursachen statt Symptome behandeln will

Eine besondere Rolle in der Runde nimmt Catalina Monzon ein. Während viele politische Debatten abstrakt über Gesundheitspolitik geführt werden, erlebt sie deren Folgen aus der Praxis heraus.

Besonders deutlich wird das bei ihrer Kritik an den kommenden gesundheitspolitischen Reformen. Monzon warnt vor einer weiteren Schwächung der medizinischen Versorgung. Krankenhausschließungen, Praxisschließungen, fehlende Nachfolger und Einschnitte in der Pflege seien keine theoretischen Risiken, sondern konkrete Folgen, die Patienten gerade im ländlichen Raum unmittelbar treffen könnten.

„Unser Gesundheitssystem ist durch diese diversen Reformen und Kürzungen ziemlich in Bedrängnis. Das ist dramatisch“, stellt Monzon im Gespräch klar.

Dabei widerspricht sie auch der Vorstellung, der Ärztemangel lasse sich einfach durch Zuwanderung lösen. Ausländische Ärzte könnten helfen, doch Sprachprobleme, kulturelle Unterschiede und unterschiedliche Ausbildungsniveaus erschwerten die Versorgung in der Praxis. Das eigentliche Problem liege tiefer: Deutschland bilde zwar Ärzte aus, verliere aber einen erheblichen Teil davon wieder. Monzon verwies darauf, dass von rund 10.000 Studienabsolventen jährlich etwa ein Viertel nicht als Ärzte in Deutschland tätig werde.

Damit verbindet sie Gesundheits-, Bildungs- und Standortpolitik: Wer Ärzte teuer ausbildet, sie dann aber durch schlechte Arbeitsbedingungen, Bürokratie und unattraktive Rahmenbedingungen verliert, verschärft den Mangel selbst. Gerade hier zeigt sich ihr Ansatz: weniger politische Parole, mehr Blick aus der Praxis.

Bemerkenswert ist dabei auch ihr internationaler Blickwinkel. Durch ihre familiären Wurzeln in Argentinien bringt sie Erfahrungen mit, die viele politische Entwicklungen aus einer anderen Perspektive betrachten lassen. Mehrfach wurde deutlich, dass wirtschaftliche und gesellschaftliche Fehlentwicklungen für sie keine abstrakten Modelle, sondern reale Erfahrungen sind. Gerade deshalb plädiert sie für eine Politik, die stärker auf praktische Folgen als auf politische Leitbilder schaut.

Der Mann, der schon einiges erlebt hat

Wenn jemand die Entwicklung der Partei und des politischen Betriebs einordnen kann, dann Jürgen Klein.

Der ehemalige CDU-Kommunalpolitiker begleitet die AfD seit ihren frühen Jahren. Ihm merkt man seine relativ große Erfahrung an, auch hat er innerparteilich seit 2013 schon einiges erlebt.

Während viele seiner Kollegen die ersten Wochen im Landtag noch als Lernprozess beschreiben, wirkt Klein häufig wie eine Art Übersetzer zwischen politischem Idealismus und politischer Realität.

Dabei spricht aus ihm nicht nur der Parteipolitiker, sondern vor allem der langjährige Kommunalpolitiker. Viele seiner Beobachtungen kreisen um die Frage, wie politische Entscheidungen letztlich bei den Bürgern ankommen. Die Perspektive aus Rathäusern, Ausschüssen und kommunalen Gremien prägt seinen Blick bis heute.

Im Gegensatz zu manchen politischen Neulingen betrachtet Klein den Landtag nicht als Bühne, sondern als Werkzeug. Wahlkämpfe gewinne man mit Versprechen, politische Veränderungen dagegen mit Ausdauer. Immer wieder weist er darauf hin, dass parlamentarische Arbeit selten spektakulär sei und dass viele politische Prozesse deutlich mehr Zeit benötigten, als Wähler und Politiker gleichermaßen hoffen.

Gerade dadurch bildet er innerhalb der Runde einen interessanten Gegenpol zu den jüngeren Abgeordneten. Er betont auch, dass die neuen Abgeordneten heute schon auf etablierten Strukturen und Wissen der Vorgänger-Fraktionen aufbauen. Bei seiner ersten Legislatur 2016 war dies noch anders - und die neue Fraktion damals froh, Unterstützung seitens der Landtagsverwaltung erhalten zu haben.

„Damals war gar nichts. Wir sind als Partei neu eingetreten. Die Landtagsverwaltung hat uns wirklich intensiv vorbereitet", blick Klein auf die Startphase der AfD-Fraktion in Mainz zurück.

Die erste Begegnung mit dem System

Überraschend oft dreht sich das Gespräch nicht um die großen Schlagzeilen der Tagespolitik.

Stattdessen geht es um Mitarbeiter. Um Arbeitsverträge. Um Ausschüsse. Um Büroorganisation. Um die Frage, wie man überhaupt in einem parlamentarischen Betrieb ankommt.

Besonders interessant ist die Diskussion über die Mitarbeitersituation. Mehrere Abgeordnete weisen darauf hin, dass die eigentliche Herausforderung nicht die eigene Vergütung sei, sondern die langfristige Gewinnung qualifizierter Mitarbeiter. Die Arbeitsverhältnisse seien an Wahlperioden gebunden und damit naturgemäß unsicher. Hinzu komme die politische Polarisierung, die manche Bewerber abschrecke.

„Die persönliche Vergütung ist für jeden ausreichend. Wo ich aber Probleme sehe, ist, langfristig gute Mitarbeiter zu binden“, betont Jürgen Klein.

Hier zeigt sich eine Seite des Politikbetriebs, die in der öffentlichen Wahrnehmung kaum vorkommt.

Ein Abgeordneter ist nicht nur Redner und Gesetzgeber. Er ist zugleich Arbeitgeber, Organisator, Personalverantwortlicher und Teamleiter.

Gerade für politische Neulinge wie Tom Kotzian ist das eine ungewohnte Aufgabe. Auf die Frage, welche Qualifikationen ein Mitarbeiter überhaupt mitbringen müsse, beschreibt er ein breites Anforderungsprofil: organisatorisches Geschick, fachliche Kompetenz, Verlässlichkeit und die Fähigkeit, sich in politische Themen einzuarbeiten. Die Suche nach den richtigen Mitarbeitern erscheint dabei fast wie eine zweite Wahlkampagne – nur diesmal nicht auf Marktplätzen, sondern auf dem Arbeitsmarkt.

Dass diese Aufgabe keineswegs trivial ist, wird im Verlauf der Diskussion deutlich. Gute Mitarbeiter entscheiden oft darüber, wie erfolgreich ein Abgeordneter seine Arbeit überhaupt bewältigen kann.

Auch Albert Breininger blickt auf diese neue Realität mit bemerkenswerter Nüchternheit. Der Medizintechniker hat für das Mandat einen klaren Schnitt vollzogen und sich vollständig auf die politische Arbeit konzentriert. Im Gespräch tritt er weniger als politischer Lautsprecher auf, sondern eher als jemand, der die bevorstehenden Aufgaben pragmatisch betrachtet. Vielleicht steht genau diese Haltung stellvertretend für viele der neuen Abgeordneten: Der Wahlkampf ist vorbei. Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit.

Was haben die Wähler eigentlich gewählt?

Natürlich kommt auch die Politik zur Sprache.

Ein wichtiger Teil des Gesprächs beschäftigt sich mit den neuen Kräfteverhältnissen im Landtag, den Debatten um Untersuchungsausschüsse und den parlamentarischen Kontrollrechten der Opposition.

Dahinter steht eine grundsätzliche Frage: Was genau haben die Wähler am Wahltag eigentlich gewählt? Nur zusätzliche Sitze im Parlament? Oder auch zusätzliche Möglichkeiten, Regierungshandeln zu kontrollieren? Diese Frage betrifft vor allem den von der AfD geplanten Corona-Untersuchungsauschuss. Seine Einsetzung mit einem so durchsichtigen Manöver seitens der "Altparteien" zu verhindern, hält Catalina Monzon für ein fragwürdiges Manöver: „Die Themen verschwinden dadurch ja nicht. Das Thema Corona verschwindet dadurch ja nicht.“

Gerade die Diskussion um Untersuchungsausschüsse wird von den Abgeordneten deshalb nicht nur als juristische Frage verstanden. Sie betrachten sie als Frage demokratischer Legitimation.

In diesem Zusammenhang fällt auch der Blick auf die Wahl des Fraktionsvorsitzenden Michael Büge.

Viele Beobachter hatten erwartet, dass Spitzenkandidat Jan Bollinger automatisch auch die Führung der Fraktion übernehmen würde. Die Entscheidung fiel jedoch anders aus.

Interessant ist dabei weniger das Ergebnis als die Begründung der Abgeordneten. Im Gespräch entsteht nicht der Eindruck eines Machtkampfes oder parteiinterner Lagerbildung. Stattdessen wird die Entscheidung als bewusste organisatorische Weichenstellung beschrieben.

Mehrfach wird hervorgehoben, dass Büge die Fähigkeit besitze, Menschen zusammenzuführen und die sehr unterschiedlichen Fähigkeiten innerhalb einer inzwischen 24-köpfigen Fraktion zu koordinieren. Eine große Fraktion brauche nicht nur politische Köpfe, sondern auch jemanden, der Strukturen schafft und die parlamentarische Arbeit organisiert.

Sinngemäß formuliert einer der Teilnehmer:

„Es gibt gute Wahlkämpfer. Es gibt gute Parlamentarier. Es gibt gute Teamplayer und gute Einzelkämpfer. Je nachdem, was wir gerade brauchen, schicken wir die Leute nach vorne.“

Die Fraktion habe sich deshalb bewusst für eine Arbeitsteilung entschieden. Während Jan Bollinger als Landesvorsitzender und Spitzenkandidat das öffentliche Gesicht der Partei bleibe, solle Michael Büge die parlamentarische Arbeit der Fraktion führen und organisieren.

Die Entscheidung wirkt damit weniger wie eine Personalfrage als vielmehr wie die Erkenntnis, dass eine Partei mit wachsender Verantwortung auch unterschiedliche Führungsrollen benötigt.

Mehr Verantwortung als Privilegien

Bemerkenswert ist vielleicht vor allem, worüber in einer Stunde Gespräch kaum gesprochen wird.

Nicht über Dienstwagen. Nicht über Statussymbole. Nicht über politische Karrieren.

Stattdessen dominieren Fragen der Verantwortung.

Wie organisiert man Familie und Mandat? Wie findet man gute Mitarbeiter? Wie bleibt man fachlich auf dem Laufenden? Wie verliert man den Kontakt zur Lebenswirklichkeit der Menschen nicht?

Selbst die Diskussion über die Abgeordnetenvergütung führt letztlich zu einer anderen Frage. Niemand am Tisch beklagt die Höhe der Diäten. Die eigentliche Debatte dreht sich vielmehr darum, welche Leistung die Bürger für diese Vergütung erwarten dürfen.

Und genau dort liegt vermutlich der entscheidende Maßstab.

Die Bürger erwarten keine Ideologie. Sie erwarten funktionierende Politik. Sie erwarten Lösungen für Probleme. Sie erwarten Sachverstand.

Und sie erwarten Politiker, die Verantwortung übernehmen, wenn Entscheidungen getroffen werden müssen.

Die eigentliche Bewährungsprobe beginnt jetzt

Als das Gespräch endet, wartet vor dem Landtag keine politische Glamourwelt.

Die Abgeordneten verteilen sich wieder auf Termine, Ausschüsse, Mitarbeitergespräche und Fraktionssitzungen. Einige werden am Abend erneut in ihren kleinen Apartments im Abgeordnetenhaus übernachten, bevor es zurück nach Kaiserslautern, in den Westerwald, den Rhein-Lahn-Kreis oder die Südpfalz geht.

Nach einer Stunde Gespräch bleibt vor allem ein Eindruck zurück: Im Fraktionssaal sitzen keine fertigen Berufspolitiker.

Dort sitzen eine Ärztin, ein Kraftfahrzeugtechnikermeister, ein Rechtsanwalt, zwei Medizintechniker und ein Abwassermeister, die vor wenigen Wochen vom normalen Berufsleben in die Landespolitik gewechselt sind.

Die Wahl haben sie gewonnen. Ob sie den Erwartungen ihrer Wähler gerecht werden, wird sich erst in den kommenden fünf Jahren zeigen.

Die eigentliche Arbeit beginnt jedenfalls erst jetzt.

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